Bea hatte auf der Fahrt zum Tongariro gelesen, dass heute Freitag rund eine Autostunde vom Tongariro Nationalpark entfernt, mitten in der Landwirtschaftszone, ein Schafschurwettbewerb stattfand. Über das Touristenbüro erfuhr sie die genaue Adresse. So fuhren wir heute hin und genossen rund zwei Stunden lang Schafschur live.

Bis sechs Schärer traten pro Durchgang gegeneinander an. Heute Vormittag, als wir zusahen, war der Nachwuchs an der Reihe. Die gestandenen Schärer kamen dann am Nachmittag zu ihrem Einsatz. Um die Mittagszeit bereiteten sie sich mittels Dehnübungen auf ihren Einsatz vor. So eine Schur ist körperliche Schwerstarbeit. Man sagte uns, so um die vierzig müssten die meisten Schärer aufgrund von Rückenproblemen ihren Beruf aufgeben. Irgendwo haben wir gehört, ein Spitzenschärer bringe es auf 300 Schafe pro Tag. Das wäre ja eine schier übermenschliche körperliche Leistung. Heute waren je nach Kategorie nacheinander zwei bis vier Schafe zu scheren. Dann wurde die Zeit gestoppt.

Das Publikum besteht aus Schärern und deren Angehörigen. Diese kamen von weit her angereist. So ein Schurwettbewerb ist eine grosse Sache. Die Besten dieser regionalen Wettbewerbe können dann an der nationalen Competition teilnehmen. Wir sind wohl die einzigen Touristen. Geduldig werden unsere Fragen beantwortet. Fachleute sind ja genügend um uns herum.

Untenstehend sind einige Schritte der Schafschur festgehalten. Von einem Jurymirglied wird jeder Schritt der Schur kritisch begutachtet. Mit dem Gerät, welches es in der Hand trägt, werden Fehler durch Klicken festgehalten. Nach der Schur werden die Schafe auf Schnittwunden untersucht. Auch das gibt Strafpunkte. All diese Strafpunkte addieren sich zur Zeit, welche für die Schur benötigt wird und ergeben so ein Punktetotal. Wer die niedrigste Punktzahl erreicht, hat den Durchgang gewonnen.

Nicht alle Schafe wollen wie der Schärer. Dieses hier ist ausgebüxt und musste wieder eingefangen werden.

Schafschur ist nicht nur Männersache. Auch einige wenige Frauen nahmen am Wettwerb teil.

Auch die Konkurrenz schaut zu und fachsimpelt. Auf diesem Bild sieht man es deutlich. Jeder Schärer bringt seine eigene Scheren mit, immer zwei, eine als Reserve. Vor dem Einsatz werden sie geschliffen und geölt, danach sorgfältig in Transportkisten verpackt. Ebenfalls zu erkennen sind die speziellen Schuhe, sie sehen aus wie Finken, die beim Schären getragen werden. Danach trägt dann Frau und Mann Gummistiefel.

Die Resultate werden von den drei Damen fein säuberlich in Listen notiert.

Was hier liegt, ist die Wolle eines einzigen Schafes.

In Säcke verpackt wird die Wolle von Händlern aufgekauft.

Die geschorenen Schafe werden per Camion wieder auf ihre Weiden zurückgefahren.

Diverse Verpflegungsstände warten auf hungrige Schärer. Reissenden Absatz fanden Fleisch und Burger. Das Zelt ganz rechts, in welchem pensionierte Krankenschwestern Obst gratis anboten und auf Wunsch auch gleich den Blutdruck massen, ist hingegen kaum besucht. Die Präferenzen sind klar.

Wer möchte, kann einen Teil einer Schafschur auch per Video anschauen. Dazu auf das Blick klicken und starten. Übrigens: Das laute Geräusch ist das Rattern der Schermesser