Rotorua ist eines der beliebtesten Touristenziele Neuseelands. In der Stadt und der Umgebung ist die Geothermie allgegenwärtig. Man sieht und riecht sie überall. Die vielen Touristen sind ebenfalls überall deutlich sicht- und spürbar. Die zahlreich vorhandenen Hotels in der Stadt sind ausgebucht, die ausgedehnten Fressmeilen rammelvoll. Das Geschäftszentrum der Grossstadt ist keine Augenweide, doch der Governmentpark, aber vor allem die schicke und gepflegte Promenade entlang des Lake Rotorua, einem sehr grossen Kratersee, laden zum Bummeln und Verweilen ein.
Doch eigentlich sind wir wegen den dampfenden Schlammlöchern, den Geysiren, den vielfarbigen Vulkanlandschaften und den Thermalbädern hier. Von diesen gibt es in der Umgebung von Rotorua einige, Bäder und Schwefelgeruch auch in der Stadt. Rotorua und sein Umland liegen in der Taupo Volcanic Zone, auf der untenstehenden Karte im nordöstlichen Teil, dort, wo vier kleine schwarze Punkte Kraterseen markieren. Die Zone ist eines der aktivsten Geothermalgebiete der Welt. Sie ist 250 Kilometer lang und 30-80 Kilometer breit. In ihr befinden sich 17 grosse hydrothermale Felder. Neuseeland nutzt das und produziert rund 15 Prozent seines Energiebedarfs über Geothermie. Auch Stare, Schwalben und Bergbeos machen sich die Wärme zunutze und nisten in den Wänden von zusammengefallenen Kratern, aus deren Böden warmer Dampf aufsteigt. Dieser hält nicht nur die Tiere, sondern auch deren Brut schön warm.
In der Umgebung von Rotorua gibt es mehrere Möglichkeiten, hydrothermale Felder und Thermalbäder zu besuchen. Wir entscheiden uns am Montag für eine Besichtigung des Touristenmagnets Wai-O-Tapu Scenic Reserve und am Nachmittag für eine weniger begangene Wanderung durch das Waimangu Volcanic Valley.
Im Wai-O-Tapu Scenic Reserve erwartet uns auf einem längeren Rundweg eine fantastische Abfolge wechselnder Farben vor allem in den Tönen gelb (Schwefel), violett (Mangan) und grün (Arsen). Doch auch Rot (Eisenoxid), pink (Quecksilber-Sulfid) oder weiss (Kaolin, auch bekannt als chinesischer Lehm) sind zu sehen. Wai-O-Tapu ist Teil der Maroa Caldera, welche vor rund 160’000 Jahren entstand. Das Scenic Reserve ist das grösse System mit oberflächlicher thermischer Aktivität in der Taupo Volcanic Zone.
In den beiden Bildern oben der Champagne Pool, Durchmesser 65 Meter, Tiefe von 62 Meter, Oberflächentemperatur 74 Grad. Die Blasen, verursacht durch Carbondioxid, geben dem Wasser den champagnerähnlichen Effekt. Der See ist rund 700 Jahre alt. Sein Wasser enthält unter anderem Gold, Silber, Quecksilber, Arsen, Thallium, und Antimon. Das überschüssige Wasser des Champagne Pools fliesst in den Roto Karikitea-Krater (Bild unten). Die spezielle Farbe verdankt er im Wasser gelösten Mineralien, welche das Sonnenlicht brechen. An sonnigen Tagen sind die Farben entsprechend um einiges intensiver als wenn es bewölkt ist. Wir haben ausgesprochenes Wetterglück. Die Sonne scheint von einem beinahe wolkenlosen Himmel und bringt den Kratersee zum Strahlen. Einzig der starke, kühle Wind ist nicht immer angenehm. Baden im Roto Karikitea ist nicht zu empfehlen. Seine Temperatur von 14 Grad wäre zwar auszuhalten, doch der Ph-Wert von 2 würde seine Spuren hinterlassen.
Nochmals der Champagne Pool (Bild oben). Unten der langgezogene Lake Ngakoro. Sein grünes Wasser deutet auf Arsen hin.
Das Waimangu Volcanic Valley liegt am Südrand des im Jahr 1886 von der Tarawera-Eruption geschaffenen Grabenbruchs. Dieser Vulkanausbruch ist der mit Abstand grösste seit die Europäer gegen Ende 18. Jahrhunderts Neuseeland zu besiedeln begannen. Wir folgen dem Spazierweg durch ein mit endemischen Pflanzen bewachsenes Tal, dessen Vegetation sich seit dem Ausbruch von 1886 langsam regeneriert – ein Prozess, welcher regelmässig von kleineren Eruptionen unterbrochen wird. Die bisher letzte ereignet sich im Jahr 1973.
Der heisse Frying Pan Lake (Bild unten) mit seinen 100 Metern Durchmesser entstand bei einem Ausbruch des Tarawera im Jahr 1917. Bis dahin lag an dieser Stelle statt eines Sees eine Sandbank, auf welcher die damaligen Touristen zwischen 1900 und 1904 einen riesigen Geysir bewundern konnten, der seine Wasserfontäne in regelmässigen Abständen in eine mit dem Empire State Building in New York vergleichbare Höhe schleuderte. Danach versiegte der Geysir aus bisher noch nicht geklärten Gründen. Der Frying Pan Lake ist mit seinen 38’000 Quadratmetern die weltgrösste heisse Quelle (Wasservolumen 200’000 Kubikmeter). Wassertemperatur: 55 Grad, Säuregehalt ph 3.5.
Im Bild unten: Der Inferno Crater. Sein Wasserspiegel steigt und fällt nach einem strengen 38-tägigen Zyklus. Bei niedrigem Wasserstand sieht er grau aus, bei Höchstand leuchtet er in wunderschönem Blau, wie hier bei unserem Besuch.
Im Bild unten erkennt man auf dem Hügelchen den einzigen Geysir, welchen wir sahen. Klein zwar, aber immerhin.
Der Wanderweg endet nach gut vier sehr abwechslungsreichen Kilometern durch üppige Vegetation, welche immer wieder unterbrochen wird von farbenfrohen geothermischen Formationen, am Ufer des Lake Rotomahana. Eine grosse Zahl schwarzer Schwäne lebt dort. So nahe liegen lebensfeindliche und lebensfreundliche Gewässer hier beisammen. Ein Shuttlebus bringt uns zurück zum Ausgangspunkt. Wir befinden uns auf der spätetesten Rückfahrt. Das Team des Parks klärt mit jedem Passagier, zu welchem Auto er gehört. Man will sichergehen, dass alle Besucher wieder heil zurückgekommen sind. Schliesslich lauert abseits der Wege sumpfiges Gelände mit sehr heissem Wasser. Fehlt jemand, wird eine Suche eingeleitet.
Übrigens: Bei den Farben auf den obigen Bildern wurde nicht künstlich nachgeholfen. Sie sehen im Bild so aus wie in der Realität.
Heute Dienstag war im Hell’s Gate Schlammbaden angesagt. Das Gebiet des Hells Gate ist die kleinste der bedeutenden Thermalzonen und gleichzeitig einer der aktivsten. Vor dem Schlammbad war allerdings etwas körperliche Ertüchtigung angesagt. Wir wanderten rund zwei Stunden entlang von blubbernden Schlammlöchern und geothermischen Feldern. Die Farbenvielfalt des gestrigen Tages fehlte zwar. Dennoch war es nochmals eindrücklich, das Blubbern zu hören, den aus vielen Löchern aufsteigenden Dampf zu sehen und den intensiven Schwefelgeruch zu riechen, den wir abends dann auch in den Kleidern hatten.
Im Bild oben sieht man im Hintergrund aufgeforstete Monokulturen, wie wir sie schon gestern häufig angetroffen haben. Die Gegend um Rotorua ist mit rund 40% des Gesamtvolumens der mit Abstand grösste Holzproduzent Neuseelands.
Unten sieht im Bild: Der grösste Schlammvulkan aller neuseeländischen Geothermalgebiete. Schlammformationen werden im allgemeinen nicht höher als einen Meter. Dieser Schlammkegel ist jedoch bereits 3.20 Meter hoch und wächst weiter. Wie bei Vulkanen aus Lava gibt es auch bei diesen Formationen Schlamm-Lahare und Ausbrüche.
Doch nun auf zum Schlammbad und den heissen Quellen des Sulphurous Spa. Das Badkleid wird uns wohl mit seinem starken Schwefelgeruch noch lange an dieses wonnige Wohlgefühl erinnern. Doch die Atmosphäre ist ruhig, entspannt und das Schlammbad eine absolute Wohltat. Man streicht sich mit dem Schlamm ein, der aus einem nahegelegenen Schlammpool gewonnen wird, welchen schon die Maori nutzten und lässt die Masse auf der Haut trocknen, ehe man sich damit ins warme Wasser begibt. Nach 20 Minuten ist Duschen angesagt und danach kann man sich in den umliegenden, unterschiedlich heissen Thermalbecken mit Blick auf die Geothermalfelder aufhalten und zwischendurch im Kaltwasserbecken abkühlen. Herrlich. Wir genossen es zwei Stunden lang.
Bei so vielen Farben, die wir in den Gebieten rund um Rotorua gesehen haben, darf natürlich auch der Mocktail punkto Farb-Leuchtkraft nicht zurückstehen.
Morgen reisen wir für die kommenden drei Tage weiter nach Gisborne, von wo aus wir uns gerne wieder melden.
Kommentar *
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Bonjour les vacanciers vous me faites voyager avec vos photos .Je ne trouve pas les mots QUE DU BONHEUR pour vous .Cette eau aux multiples couleurs et ODEURS pour vous le paradis sur terre .Pas trop de dérangeants avec l ‚odeur de l’arsenic .
Et ce paysage .que dire Profitez bien et à la prochaine aventure