Am vergangenen Samstag konnte Beat nach zweimaligem Verschieben das Tongariro Alpine Crossing doch noch machen. Dies bei schönsten Wetter. Besser hätten die Bedingungen gar nicht sein können. Ein Riesenglück nach den teils massiven Regenfällen der Vortage.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Wanderung durch eine aktive Vulkanlandschaft war äusserst eindrücklich, die Bilder überwältigend. Doch es gab auch eine Kehrseite. Seit den Zeiten des Engadin Skimarathon lief Beat nie mehr in einer derart grossen Menschenmasse mit. Nach offiziellen Angaben sind maximal 700 Personen pro Tag zugelassen. Gefühlt waren es jedoch wesentlich mehr.

Die Wanderung startet in der Ebene zwischen den beiden Vulkanen Mount Ngauruhoe (rechts) und dem Tongarioro, einem breiten Hügelzug mit drei Kratern, welche beim Crossing alle durchwandert oder gestreift werden (links). Der Weg führt zunächst auf den Sattel, welcher die beiden Vulkane verbindet. Doch der Reihe nach.

Ich erhielt einen Platz auf einem relativ frühen Shuttlebus, welcher uns vom Endpunkt der Wanderung, wo das Auto parkiert war, zum Ausgangspunkt führte. Um 7.20 Uhr ging es los. Starthöhe: 1’120 Meter. Die Sonne schaffte es knapp über den Tongariro.

Zunächst führt der Weg durch das Mangatepopo-Tal.

Majestätisch thront rechter Hand das Massiv des Mount Ngauruhoe. Im Verlauf der Wanderung wird dieser Vulkan noch aus anderer Warte zu betrachten sein, dann mit deutlich sichtbarem Krater.

Wir nähern uns dem Sattel, auf welchem sich, ganz klein zu erkennen, bereits einige Personen befinden, welche früher starten konnten. 

Der Sattel bildet gleichzeitig den Rand des riesigen Südkraters des Tongariro, welcher nun durchwandert wird. Es ist dies das einzige längere ebene Stück des Crossings.

Rechts immer noch der Ngauruhoe. Deutlich ist nun, aus dieser Warte, dessen Krater erkennbar. Deutlich sieht man bei diesem Blick zurück vom Nordrand des Südkraters in den Krater hinein auch die lange Menschenkolonne, welche das Crossing heute unter die Füsse nimmt.

Hier ist der gesamte Südkrater im Blick.

Vom nördlichen Kraterrand des Südkraters aus hat man eine gute Rundsicht, hier Richtung Osten. Schon ist einiges an Höhe gewonnen. Doch es liegen auch noch viele Höhenmeter vor mir.

Es geht steil bergan, wird dann, den höchsten Punkt der Wanderung, den Rand des Red Craters auf 1868 Metern in Sicht, etwas flacher und führt durch loses Vulkangestein.

Der Kraterrand ist erreicht und öffnet den Blick in den Red Crater, einem wahren Feuerwerk an verschiedenen Rot- und Brauntönen. Ein wunderbarer Anblick, besonders heute, als der Krater so schön besonnt war. Im Hintergrund der Mount Ngauruhoe.

Lange ist der Red Crater beim Weitergehen noch sichtbar. Am unteren linken Ende des untenstehenden Fotos kann man es erahnen. Nun geht es sehr steil bergab und zwar auf feinem, sehr losem Vulkangestein. Wer mitrutscht, hat es einfach und kommt knieschonend herunter. Wer dagegen, was viele tun, gegen das Rutschen ankämpft, oft sogar unter dem verzweifeltem Einsatz von Wanderstöcken, hat eine schwere Zeit.

Wer beim Rutschen innehält und den Blick nach unten schweifen lässt, sieht das wunderbare Schauspiel der Emerald Lakes, welche, je nach chemischer Zusammensetzung, in unterschiedlichen Blautönen leuchten. Was hier aufsteigt, ist kein Nebel, sondern schwefelhaltiger Dampf. Wir sind ja in einer vulkanisch aktiven Zone.

Ganz oben links in diesem Bild nochmals der Red Crater. Von dort oben kamen wir.

Die Seen sind ein beliebter Punkt für die Mittagsrast.

Auch der Zufluss zu diesem See leuchtet in vielen Farben.

Eine Wegvariante führt ganz nahe an dampfenden Löchern vorbei. Wer will, kann sich dabei vom Schwefeldampf richtig einhüllen lassen. Ich wollte.

Von den Emerald Lakes geht es hinunter zum Nordkrater des Tongariro, den man am rechten Rand durchwandert. Hier der Blick zurück nach durchquertem Nordkrater Richtung Red Crater und dem höchsten Punkt der Wanderung rechts vom Red Crater. Dort aufsteigendes Gewölk zeigt: Es war richtig, früh aufzubrechen.

Auch in der kargen Landschaft des Nordkraters gibt es vielfältiges Leben. Nebst Flechten und Grasbüscheln fallen die kreisrunden Gebilde auf. Es sind Ansammlungen von wenige Millimeter hohen Sukkulenten, welche bei genauem Hinsehen weiss-lila blühen.

Oben am Nordrand des Nordkraters angelangt, öffnet sich der Blick zum Blue Lake, den man auf der linken Seite umwandert.

Nach dem Blue Lake beginnt der rund dreistündige Abstieg zum Parkplatz auf 1040 Metern Höhe. Zuerst verläuft der Pfad als Höhenweg entlang einer Flanke des Tongariro. Dann geht es in langen, eher flachen und damit knieschonenden Serpentinen abwärts. Der Lake Rotoaria liegt zu Füssen. Das Feld hat sich in die Länge gezogen. Ich bin streckenweise beinahe alleine.

Die Vegetation verändert sich. Es wird buschig. Immer wieder steigt schwefelhaltiger Dampf aus der Wiese auf. Wir sind immer noch am Tongariro, der auch an dieser Stelle aktiv ist.

Schliesslich wird das Buschwerk mannshoch. Die letzte Stunde des Weges liegt dann in dichtem Wald.

Ein letzter Blick zurück vom Parkplatz auf den Sattel, an welchem der Abstieg begann.

Der härteste Teil des Crossings beginnt bei ebendiesem Parkplatz – die rund anderthalbstündige Rückfahrt nach Taupo. Die Nachmittagssonne brennt unbarmherzig aufs Autodach, die Müdigkeit beginnt sich bemerkbar zu machen – immerhin war heute um 04.15 Uhr Tagwache.

Das Crossing war ein unvergessliches Erlebnis. Die vulkangeprägte Landschaft mit all ihren Formen, Farben, Gerüchen und Dampfschwaden war jeden Schweisstropfen und den anschliessenden Muskelkater wert.

 

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