{"id":2982,"date":"2025-03-05T10:57:07","date_gmt":"2025-03-05T09:57:07","guid":{"rendered":"https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/?p=2982"},"modified":"2025-03-05T10:58:12","modified_gmt":"2025-03-05T09:58:12","slug":"waitangi-und-sein-schicksalshafter-vertrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/?p=2982","title":{"rendered":"Waitangi und sein schicksalshafter Vertrag"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;]<\/p>\n<p>Heute besuchten wir das Gel\u00e4nde, auf welchem am 6. Februar 1840 der Vertrag zwischen Maori-H\u00e4uptlingen und der Britischen Krone unterzeichnet wurde, welcher als das Gr\u00fcndungsdokument des modernen Neuseelands gilt. Von unserer Terrasse aus haben wir direkten Sichtkontakt auf das historische Gel\u00e4nde (im Bild unten die Nase ganz rechts) im Ort Waitangi, welcher direkt an unser derzeitiges Domizil Paihia grenzt. <\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_203434-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_203434&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Die Anlage wirkt sehr gepflegt und grossz\u00fcgig.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_122033-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_122033&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_112319-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_112319&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Und man geniesst sch\u00f6ne Ausbicke auf die Bay of Islands.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_112219-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_112219&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Am Fahnenmasten ganz oben die heutige Flagge Neuseelands, auf Mastmitte die Flaggen der Vertragsunterzeichner, links die englische Fahne und rechts die damalige Fahne Neuseelands, auf welche sich ein Grossteil der Maori-St\u00e4mme f\u00fcnf Jahre zuvor, anno 1835, geeinigt hatte.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_112538-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_112538&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>In diesem Haus wurde der Vertragstext, auf den wir unten noch eingehen werden, verfasst, \u00fcbersetzt und allen Parteien zur Einsicht pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_115719-1-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_115719&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Der Moment der Vertragsunterzeichnung. F\u00fcr die Europ\u00e4er war es der Beginn der Dominanz in Neuseeland, f\u00fcr die Maori der Anfang der Bedeutungslosigkeit. Um das zu verstehen, ist etwas Hintergrundinformation erforderlich.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_193125-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_193125&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220; locked=&#8220;off&#8220;]<\/p>\n<p>Um das Jahr 1200 n. Chr. migrierte eine gr\u00f6ssere Zahl von Polynesiern &#8211; die Ahnen der heutigen Maori &#8211; auf Wakas, einer Art hochseetauglichen Kanus, von Hawai her kommend, auf zwei Inseln, welche sie Aotearoa nannten. Sie trafen auf unbesiedeltes Land und nahmen es in Besitz. Rund 600 Jahre sp\u00e4ter begann die Migration von Europ\u00e4ren auf ebendiese beiden Inseln, welche in deren Sprache New Zealand hiess, darunter viele Briten. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts hatten zwei M\u00e4chte koloniale Interessen an diesen beiden Inseln, Frankreich und England. Gleichzeitig begannen die Maori, sich von den Fremden bedroht zu f\u00fchlen und baten den K\u00f6nig von England um Schutz. Die Maori-H\u00e4uptlinge arbeiteten eine Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung aus, die &#8222;Declaration of Independence of New Zealand&#8220;, welche die Britische Krone im Jahr 1835 genehmigte, vor allem, um franz\u00f6sische Interessen abzuwehren. Doch das Benehmen einiger Briten in Aotearoa\/New Zealand. welche sich eigenm\u00e4chtig Land aneigneten, wurde zu einem zunehmenden Problem. Dieses Problem l\u00f6sen sollte folgende \u00dcbereinkunft: Schutz der Maori durch die britische Krone und Kontrolle der Briten in Neuseeland durch ebendiese Krone. Im Gegenzug sollte der Britischen Krone ein Vorkaufsrecht gew\u00e4hrt werden, falls Maori Land verkaufen wollten. Das Ganze wurde vom britischen Offizier William Hobson in drei Artikel gefasst und von einem britischen Missionar und Vertrauensmann der Maori in deren Sprache, Maori, \u00fcbersetzt. Das in Maori \u00fcbersetzte Dokument unterzeichneten viele Maori-H\u00e4uptlinge und die britische Krone am 6. Februar 1840 im Ort Waitangi. Die englische Version wurde dagegen nur von wenigen H\u00e4uptlingen unterzeichnet.<\/p>\n<p>Doch statt ein Problem zu l\u00f6sen, hatten die Maori sich mit dieser Vertragsunterzeichnung ein neues, sehr viel gr\u00f6sseres, eingehandelt: In zwei f\u00fcr die britische Krone \u00e4usserst zenralen Punkten wich n\u00e4mlich die \u00dcbersetzung in Maori von der englischen Version ab. Dies war den Maori-H\u00e4uptlingen verschwiegen worden: <br \/>Punkt 1: W\u00e4hrend in der Maori-Version nur die Rede davon ist, dass die engliche Krone die Britischen Staatsangeh\u00f6rigen in Aotearoa kontrollieren werde, hiess es im englischen Text, die Queen habe <strong>volle Souver\u00e4nit\u00e4t<\/strong> \u00fcber <strong>alle<\/strong> in Aotearoa lebenden Personen, inklusive Maori.\u00a0<br \/>Punkt 2: In der Maori-Version war die Rede davon, die Maori w\u00fcrden die volle Autorit\u00e4t \u00fcber ihr Land, ihre Ressourcen <strong>und ihren Lebensstil<\/strong> behalten. In der englischen Version fehlt der Hinweis auf den Lebensstil. In beiden Versionen erhielt die Krone ein Vorkaufsrecht.<br \/>Nur der dritte Punkt, dass die Krone die Maori wie britische B\u00fcrger sch\u00fctzen werde, ist in beiden Versionen deckungsgleich.\u00a0<\/p>\n<p>Gest\u00fctzt auf diesen Vertrag begann die Britische Krone sehr rasch, Maori-Gesetze zu erlassen. Gleichzeitig str\u00f6mten Vertreter der Krone in ganz Neuseeland aus, um Maori von einem Landverkauf zu \u00fcberzeugen. Obwohl sie wussten, dass diese ihr Land kollektiv besassen und kein Privateigentum kannten, gen\u00fcgte es den Engl\u00e4ndern, wenn <em>ein<\/em> Maori den Kaufvertrag unterzeichnete. Doch der Verkauf harzte, weshalb die Krone dekretierte, wer nicht verkaufen wolle, sei ein Rebell und werde zwangsenteignet. All diese Massnahmen bewirkten, dass in 34 Jahren beinahe die gesamte S\u00fcdinsel in das\u00a0 Eigentum von Europ\u00e4ern \u00fcbergegangen war, wie untenstehende Karte aufzeigt: Links Zustand von 1846, rechts von 1860. Der Maori-Besitz ist jeweils rot eingef\u00e4rbt.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250210_125104-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250210_125104&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Auf der Nordinsel dauerte der Landtransfer zwar l\u00e4nger, 79 Jahre, fiel aber ebenso drastisch aus:<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250210_125049-scaled.jpg&#8220; title_text=&#8220;20250210_125049&#8243; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; global_colors_info=&#8220;{}&#8220;][\/et_pb_image][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>Schon bald nach der Vertragsunterzeichnung begannen Maori, gegen den Verlust ihres Landes und gegen die speziellen Maori-Gesetze zu protestieren. All dies f\u00fchrte im\u00a0 Jahr 1975 zur Gr\u00fcndung des Waitangi-Tribunals. Das Tribunal soll Britische Gesetze, Praktiken und Handlungen auf ihre \u00dcbereinstimmung mit dem Vertrag von Waitangi in der Maori-Version \u00fcberpr\u00fcfen und dazu Maori und die Krone anh\u00f6ren. Denn: Die meisten Maori-H\u00e4uptlinge hatten nur die Maori-Version des Vertrages unterzeichnet, die Britische Krone handelte dann aber allein aufgrund des englischen Vertragstextes.<\/p>\n<p>In den Jahrzehnten seit der Gr\u00fcndung des Waitangi-Tribunals hat die Britische Krone in Vergleichen Land an die Maori zur\u00fcckgegeben und Schadenersatz geleistet. Allerdings konnte damit bislang nur ein kleiner Teil des Schadens beglichen werden. Die Arbeiten des Tribunals gehen weiter.<\/p>\n<p>Gleichzeitig engagieren sich vor allem junge Maori mit viel Energie f\u00fcr den Erhalt ihrer Kultur. In Auckland haben wir eine Gruppe solch junger Maori kennengelernt, die dort ihre rituellen T\u00e4nze und Gruppenmotivationen vor einem bevorstehenden Kampf mit viel Herzblut und innerer \u00dcberzeugung darboten. Ganz anders als die T\u00e4nzergruppe heute (von welcher untenstehende Bilder stammen) in Waitangi. Dort \u00dcberzeugung, hier blosse Schau.<\/p>\n<p>Viele Ans\u00e4tze der Maori also, um ihren Platz in der Gesellschaft zur\u00fcckzuerobern. Mit wie viel Erfolg, muss die Zukunft weisen. Von der derzeitigen, konservative Regierung jedenfalls k\u00f6nnen sie keine Unterst\u00fctzung erwarten.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_103109-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_103109&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][et_pb_image src=&#8220;https:\/\/neuseeland.lehmatelier.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/20250305_103051-scaled.jpg&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; title_text=&#8220;20250305_103051&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;][\/et_pb_image][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute besuchten wir das Gel\u00e4nde, auf welchem am 6. 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